Pferde Rhein-Main und Pferde in Bayern

Gelenkerkrankungen

17.01.2018     Pferdegesundheit    Gelenkerkrankung, Pferdekunde, Pferdepflege

 

Wer kennt die Situation nicht, man freut sich auf ein Turnier oder eine andere Veranstaltung kommt in den Stall, will den geliebten Vierbeiner fertig machen, holt ihn aus der Box und oh Schreck, er geht LAHM.

Gelenkerkrankungen haben neben Atemwegserkrankungen den größten Platz der Pferdeerkrankungen eingenommen. Es kommt immer darauf an, wie schnell man erkennt um welche Erkrankungsform es sich handelt, und wie schnell eine Therapie erfolgt bevor das ganze ein chronisches Ausmaß annimmt. Körperbau, Erblichkeit, Hufpflege, und ein nicht ausgedachtes und wohlüberlegtes Trainingsprogramm sind die meisten Ursachen für Gelenkerkrankungen.

Überbelastung führt zu massiven Schädigungen an Sehnen, Knochen und Gelenken. Bei einer Entzündung liegt meist eine ­Umfangsvermehrung, vermehrte Wär­me, Schmerzen und Lahmheit vor. Hinzu kommen kann eine Infektion durch eingeschleppte Erreger, die sich dann ausbreiten und die Erkrankung massiv verschlimmern können.

Die Gelenkerkrankung wird durch einen Knorpelabbau begleitet, der sich mit der Zeit bis auf den Knochen abnutzen kann. Die Entzündung geht auf die Knochenhaut und die Gelenkkapsel über. Die Gelenkkapsel vergrößert sich und ist prall gefüllt mit Gelenkflüssigkeit. Erfolgt nun eine nicht ausreichende Therapie, verschwinden zwar die anfänglichen Symptome, werden aber unter Belastung sofort wieder sichtbar und das Drama beginnt erneut. Je mehr es zu dieser Entwicklung kommt, desto schneller werden die Gebiete dauerhaft und chronisch verändert. Bei degenerativen Gelenkerkrankungen kommt es zu einem Abbau des Knorpels sowie zu Knochenschäden. Bei der Form der Osteoarthritiden kommen im übrigen nicht nur ältere Pferde in Frage, vielmehr können durch Fehlsteuerung auch jüngere Pferde daran erkranken. Chronische Veränderungen wirken sich auf die gesamte Lebensqualität des Pferdes aus. Es kommt auch während einer chronischen Erkrankung immer wieder zu akuten Phasen in denen Schwellungen und starke Schmerzen vorhanden sind.

Eine Arthritis oder auch akute Gelenkentzündung kann schnell entstehen und ist auch die häufigste Erkrankung des Bewegungsapparates. Schnell ist eine Überbeanspruchung geschehen, wenn es beim Training gerade so gut läuft, und man gar nicht aufhören will. Während der kalten Jahreszeit wenn man vielleicht gerade an dem Tag wenig Zeit hat, aber doch zu gerne noch schnell das Pferd bewegen will und dadurch auf eine ausreichende Aufwärmphase verzichtet. Solche Kleinigkeiten können aber ausreichen, um eine Schädigung hervorzurufen. Gerade während des Winters sind die Gelenke eher steif und die Gelenkflüssigkeit sehr zäh. Unphysiologische Belastungen einzelner Gelenke, Sehnen und Bänder, zu früh und zu schnell in den Leistungsmodus zu gehen kann massive Probleme nach sich ziehen.

Mit einer Arthritis ist immer eine Akut-Phase verbunden, also nicht auf die leichte Schulter nehmen sonst kann es chronisch werden. Wenn Gebebe überreizt wird entzündet es sich, schwillt an und wird warm. Hält die Entzündung an tritt eine degenerative Schädigung des Gelenkknorpels auf und der führt in die chronische Variante. Es können aber auch Vererbung, das Eindringen von Bakterien in eine kleine Wunde oder massive Stoffwechselstörungen und Toxine zu einer Arthritis führen.

 

Arthrose

Bei Arthrose kommt es im Verlauf zu massiven deformierenden Veränderungen, die bis zur Unbrauchbarkeit des Pferdes führen können. Je nach Abnutzung treten bei einer Arthrose verschiedene Lahmheitsstadien auf, die durch eine Beugeprobe gut erkennbar sind. Eine Arthrose wird als chronische Gelenkerkrankung bezeichnet. Es treten Veränderungen im Gelenkbereich, den Knochen und am Knorpel auf. Der Knorpel nutzt sich bis auf den Knochen ab und die entzünd­liche Reaktion kann auf die Knochenhaut und die ­Gelenkkapsel übergehen. Nach und nach kommt es durch Arthrose zu einer Versteifung des Gelenks.

Neben den Gelenken kann sich eine Entzündung auch auf die umliegenden Schleimbeutel, Sehnen und Bänder erstrecken. Welche durch Überbelastung reißen können.

Es können Frakturen oder Fissuren entstehen und es kann zu einer Knochennekrose kommen. Durch die Entzündungsprodukte treten später Knochenauswüchse (Überbein) auf. Überbeine sind normalerweise das Ergebnis einer Knochenhautentzündung aufgrund eines Traumas. Je nachdem wo es sich befindet kann es zu massiver Lahmheit führen, insbesondere wenn es auf die Sehne drückt. Durch die chronischen Veränderungen ist der Bewegungsablauf stark eingeschränkt. Nach einer längeren Pause des Pferdes sind die optischen Anzeichen meist verschwunden, treten aber nach Belastung erneut auf.

 

Osteoarthritis

(Knochen- und Gelenkentzündungen)

Degenerative Gelenkerkran­kungen sind mit Veränderungen des Knorpels, Knochen und der Gelenke verbunden und zeigen sich oft durch Verdickungen ausgelöst durch eine Entzündung der Gelenkflüssigkeit. Die Glieder sind sichtlich schwer und die Bewegung fällt steif und ungelenk aus. In den Gelenken kann man manchmal eine knotige Schwellung ertasten. Im Endstadium treten Gelenkknorpelschäden auf und die Bewegung fällt immer schwerer. Degenerative Gelenkerkrankungen können in 4 Stufen eingeteilt werden.

Stufe 1 wird oft bei jungen Pferden beobachtet die zu viel zugemutet bekommen und befällt das Karpalgelenk und Fesselgelenk.

Es bestehen entzündliche Veränderungen an der Kapsel und der Gelenkinnenhaut. Stufe 2 ist ein schleichender Prozess und entwickelt sich langsam. Betroffen sind die Krongelenkschale, das Ringbein, das Krongelenk, Knochenspat entwickelt sich. Meist sind ältere Pferde davon betroffen aber auch jüngere Pferde mit großem Verschleiß können betroffen sein. Die 3 Stufe zeigt sich durch Gelenkknorpelveränderungen und tritt meist bei älteren Pferden auf.

Die 4 Stufe hat meist eine Verletzung in früheren Jahren beinhaltet, die sich schleichend in ein solches Stadium entwickelt hat.

Bei der Osteomalazie ist eine Störung des Knochenstoffwechsels vorhanden die zu einem Mineralverlust und damit zur Knochenweiche führt. Bei Jungtieren bezeichnet man dieses Krankheitsbild als Rachitis. Sie kann in Verbindung mit einem Vitamin D- Mangel entstehen.

Knochenschmerzen im Bereich der Wirbelsäule, Beine und des Beckens treten auf. Bei der Osteomalazie sind die unteren Teile von Speiche und Röhrbein schmerzhaft aufgetrieben, daneben sind besonders Vorderfußwurzel- Sprung- und Fesselgelenk verdickt. Bei Erkrankungen des Skelettsystems handelt es sich immer um Störungen zwischen Auf- und Abbau der organischen Knochengrundsubstanz wie z. B. der mineralischen Knochenasche. In schweren Fällen kommt es zu einer Wirbelsäulenverkrümmung. Durch den UV- Anteil des Sonnenlichtes können Pferde Vitamin D in der Haut bilden. Qualitativ gutes Heu ist ebenfalls ein Vitamin D Spender.

Bei Pferden, die im Winter überwiegend im Stall stehen, empfiehlt es sich zusätzlich Vitamin D zu verabreichen.

Das kann durch Zusatz von Vitaminpräparaten erfolgen. Störungen im Calciumspiegel (Blutbild Calcium Referenzbereich = 2,5-3,4 mmol/l) können u. a. mit eine mangelnden Resorption über den Darm zusammenhängen. Da eine enge Verbindung zwischen Magnesium und Calcium besteht sinkt auch der Magnesiumspiegel im Blut. Besteht der Mangel länger kommt es zu Steifheit der Gliedmaßen (der Hinterhand und des Halses) sowie zu Verspannungen der Muskulatur. Bei einem erhöhten Abbau von Knochensubstanz spricht man auch von einer Osteodystrophia fibrosa (Knochenschwund) hierbei tritt eine Umfangsvermehrung von Bindegewebe auf.

Es kann zu chronischen Veränderungen an Unter- und Oberkiefer kommen. Auch hier liegt wieder ein Überschuss an Phosphor vor, der zu einer Übersäuerung und Stoffwechselentgleisung geführt hat. Die Sehnen und Bänder können betroffen sein, was zu Lahmheit führt.

Die Pferde reagieren taktunsicher und ermüden schnell. Später stellt sich ein relativ steifer Gang ein. In schweren Fällen kommt es zu einer Wirbelsäulenverkrümmung.

 

Ihre Tierheilpraktikerin

Birgit Vaupel

www.horse-pronature.de

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