Pferde Rhein-Main und Pferde in Bayern

Glosse

so wahr...

05.03.2021     Erzähl' mal...    , Pferde Rhein-Main

Der leidgeprüfte Ehemann einer „Pferdetusse“ erklärt, warum er die Nase manchmal ganz schön voll hat.

„Da steht ein Pferd aufm Flur“: Den Partyhit von Klaus & Klaus kennt ja wohl jeder. Bei uns steht kein Pferd aufm Flur. Es steht im Keller. Zumindest, wenn man vom Geruch ausgeht - ein einmal mehr und selten auch einmal weniger stark ausgeprägter Duft pferdeschweißiger Veräppelung. Wäre Hermann Hesse mit einer Dressurreiterin zusammen gewesen, hätte man ihn ganz sicher nicht ständig mit „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ zitiert, sondern viel eher mit „Jedem Gegenstand wohnt ein Mief inne.“ War er aber nicht. Ich schon!

An feuchten Tagen wabert der süßliche Hauch, der seinen Ursprung in Schabracken, Bandagen, Fleece­jacken und Reithosen hat, schon mal die Treppe empor und ruht im Flur, um sich von dort auf die unschuldigen Riechorgane al­ler nichtreitenden Hausbewohner und deren Besucher zu stürzen. Zum Glück kommt im Moment keiner mehr zu Besuch. Ist ja Corona und da darf ja eigentlich niemand mehr mal eben auf eine Tasse Tee vorbeischauen. Oder es kommt doch mal jemand vorbei, riecht allerdings nichts mehr. Ist dann aber auch nicht so gut.

Interessanterweise spielt Architektur eine große Rolle bei der müffelnden Eroberung ganzer Einfamilienhäuser. Der Kellerdunst schafft es auch bei güns-tigsten Rahmenbedingungen nicht ins Wohnzimmer. Und auch die Geruchsemissionen, die vom Sattel ausgehen, der auf dem Treppengeländer im zweiten Stockwerk hängt, verpesten nur den zweiten Stock, nicht aber die darunterliegenden Bereiche. Wohnzimmer, Küche und die im ersten Stock liegenden Schlafzimmer wären damit frei vom Pferdemief. Wären…!

Immer der Nase nach

Abhilfe schaffen in diesen Bereichen mobile Einsatzkommandos in Form von Hunden. Unser Hund heißt Kurt. Zu seinen Lieblingshobbys gehören das Bergsteigen auf Pferdemisthaufen und die Rollkur im Stroh von natürlich noch nicht gemisteten Pferdeboxen. Damit sind die besten natürlichen Voraussetzungen geschaffen, um als wandelnde olfaktorische Biowaffe die vom Pferdemief anderenfalls unerreichten Wohnräume zu marodieren. Durch ausdauerndes Reiben und Schubbern des möglichst noch leicht feuchten Fells an der guten, aus einem schwedischen Möbelhaus stammenden Schlingware mit dem sinnigen Namen Hundslund gelingt es der rübennasigen Stinkbombe, auch das Wohnzimmer in das Müffel-Panoptikum aufzunehmen. Angesichts der nachhaltigen Wirkung ist der Verfasser der Meinung, dass der Name Langestinke für den Teppich angebrachter wäre.

Hier in meinem Arbeitszimmer, vor dem Schreibtisch sitzend und eine Glosse über Hobbys schreibend, die einem manchmal ganz schön stinken können, bin ich frei. Keines von unseren Pferden ausgehendes Geruchsmolekül erreicht mei­ne Schleimhäute. Hier gibt es nur mich sowie die zu meinem eigenen Hobby gehörenden Mittelalterklamotten und Ausrüstungsgegenstände.

Wenn meine Pferdefrau, die zufällig einmal nicht im Stall ist, ihre Nase in mein Zimmer herein streckt, sagt sie immer, dass es fürchterlich nach Lagerfeuer und Birkenpech stinkt. Kann ich gar nicht verstehen!

Verfasser ist der Redaktion bekannt. Da dieser seine Frau trotz allem immer noch gut riechen kann, möchte er zwecks glücklicher Weiterführung seiner Ehe seine Nase hier nicht öffentlich zeigen.

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